Dienstag, 16. Mai, 16.Tag

Schnatti hat wahrscheinlich in den letzten Tagen zuviel Sonne abbekommen, denn heute morgen dachte sie, sie wäre ein Schwan! - Dass sie ihren Hals um 180 Grad drehen und ihren Kopf auf ihren Rücken legen kann oder auch geworfene Brotstückchen mit ihrem Schnabel auffängt, wenn sie mit dem Rücken zu uns sitzt, haben wir schon oft gesehen. Doch heute hat sie ein Brotstückchen nicht erwischt und es ist rechts von ihr neben dem Nest gelandet. Schnatti hat sofort versucht, das gelandete Häppchen zu fressen, dabei aber vergessen, dass sie ihren Hals linksherum gedreht hatte. Und mehr als eine knappe dreiviertel Drehung gab ihr Hals nicht her. Sie hat trotzdem mehrmals versucht mit Schwung an das Brot heranzukommen, bis ihr einfiel, dass sie ihren Hals auch rechtsherum drehen kann. Dann hat es problemlos geklappt. - Ein Schwan wäre an dieser Übung aufgrund seines längeren Halses wahrscheinlich nicht gescheitert.

Leider habe ich von dieser - zumindest für mich - lustigen Begebenheit keinen Film. Das läßt sich bestimmt aber nochmal nachstellen. - Es sei denn, Schnatti macht keinen Fehler zweimal!

Jetzt ist es draußen schon fast dunkel und Schnatti macht noch keine Anstalten mal wieder einen Ausflug ans Wasser zu unternehmen. Irgendwie erstaunt es mich schon, dass sie es so lange aushält, auf dem Nest zu sitzen. Vielleicht überzeugt es sie, dass wir ihren Futternapf, den sie heute leergefressen hat, jetzt nicht nochmal auffüllen?

Schnatti Schnatti

Mittwoch, 17. Mai, 17.Tag

Heute wollte ich Schnatti wiedermal mit etwas Außergewöhnlichem überraschen und bin in den Zooladen gegangen, um einen Zweitfutternapf für sie zu kaufen. Als ich aber vor dem Regal stand, mußte ich feststellen, dass Futternäpfe der Größe, wie Schnatti schon einen hat, ausverkauft waren! Letzten Samstag gab es noch einen beachtlichen Stapel davon. Haben sich plötzlich alle Leute in unserer Gegend auch Stockenten angeschafft und den Futternapfvorrat aufgekauft?! - Der Zooladen war auf einen solchen Ansturm sicher auch nicht vorbereitet, denn laut der Verkäuferin kommt die nächste Lieferung erst in 14 Tagen. Ich war richtig enttäuscht, denn ich hatte mir schon vorgestellt, wie Schnatti begeistert vor ihren zwei Näpfen sitzt und überlegt, ob sie zuerst in Wasser eingeweichtes Brot frißt oder doch lieber die Apfelstücke aus dem anderen Napf nimmt.

Etwas gefrustet bin ich dann zum Vogelfutterregal geschlendert und habe mir angeschaut, was es da so gibt und für Schnatti als Überraschung geeignet wäre. Letztendlich habe ich mich für eine Tüte Papageienfutter entschieden. Da sind so gesunde Sachen wie gestreifte und weiße Sonnenblumenkerne, Weizen, Gerste, Mais, Haferkerne, Derby Hafer(?), Milokorn(?) und Erdnüsse drin. Das müßte auch aus Sicht einer Ente sehr lecker klingen! Und vielleicht überrascht uns Schnatti auch mal und fängt an zu sprechen!

Das 'Sprechfutter' gibt es aber erst morgen, denn heute mußte erstmal das eingeweichte Brot alle werden. - Und da traf es sich ganz gut, dass Schnatti wieder so auf dem Nest saß, wie gestern abend, als sie dachte, sie wäre ein Schwan. - Also habe ich mit Schnatti gemeinsam versucht, die Szene nachzustellen - und es hat zumindest einmal geklappt! Zu Bestaunen ist das Ganze als erste Szene in unserem ersten der heutigen Filme.

Schnatti Schnatti

Film: Hals zu kurz

Film: Schnatti fängt das Brot

 

Donnerstag, 18. Mai, 18.Tag

Als ich heute morgen erwartungsfroh die Tüte mit dem Papageienfutter für Schnatti geöffnet habe, mußte ich feststellen, dass der Hersteller nicht gelogen hatte. - Es waren wirklich Erdnüsse drin; und zwar ganze Erdnüsse mit Schale. Damit kann Schnatti nun wirklich nichts anfangen! Der Rest vom Tüteninhalt sah aber vielversprechend aus und so gab es heute morgen die erste Portion. Und als ich dann heute abend wieder zu Hause war, habe ich natürlich als erstes nachgesehen, wie es Schnatti geht. - Schnatti saß wie immer auf ihrem Nest, hat mich angeschaut und keinen Laut von sich gegeben. - Sollte das Futter das Sprechen fördern, hat es noch nicht gewirkt!

Heute hat es den ganzen Tag geregnet. Doch dank des Sonnenschirms, den wir letzte Woche neben dem Nest stationiert haben, ist Schnatti nicht naß geworden. Regen oder zumindest Spritzwasser scheint sie ja nicht so recht zu mögen, denn als meine Frau sie letzte Woche beim Gießen der Pflanzen mal kurz naßgespritzt haben, hat sie fluchtartig ihr Nest verlassen. Diese Reaktion scheint aber eher am Schreck gelegen zu haben, denn wasserscheu kann Schnatti als Ente ja wohl kaum sein!

Wegen der widrigen Bedingungen habe ich heute keinen Film mit Schnatti gedreht. Dafür gibt es eine richtig tolles Portrait.

Schnatti Schnatti

 

Freitag, 19. Mai, 19.Tag

Heute vormittag, auf meinem Weg zu Arbeit, mußte ich wie immer eine breite Hauptstraße überqueren. Da sah ich, wie gerade eine Stockentenfamilie - Mama-Ente mit mindestens 6 Baby-Enten in den Büschen neben dem Bürgersteig verschwand. Andere Passanten, die auf dem Bürgersteig liefen, hatten das offensichtlich überhaupt nicht bemerkt, denn sie zeigten keinerlei Reaktion. Mein Interesse - mittlerweile bin ich ja ein passionierter Stockentenforscher - war jedoch sofort geweckt. - Leider waren die Büsche sehr dicht und außerdem vom Regen noch sehr naß, so dass ich davon abgesehen habe, die kleine Familie durch das Unterholz zu verfolgen und vielleicht einen Schnappschuß (mit meinem Handy) machen zu können, um ihn hier zu präsentieren.

Unweit von dieser Stelle hat schon letztes Jahr eine Stockente in einer Baumhöhle eines Straßenbaumes gebrütet. Ich konnte sie ein paar Mal beoabachten und hatte mich gewundert, wie sie schon im Interesse ihrer Jungen so eine gefährliche Gegend mit Hauptverkehrsstraße vor Haustür zum Brüten wählen konnte. Aber vielleicht hat sie keine schlechten Erfahrungen damit gemacht und ist dieses Jahr zurückgekehrt. - Jedenfalls habe ich dem kleinen Trupp verstohlen nachgewunken und 'Viel Glück' gewünscht. Bis zum nächsten Wasser waren es ja noch ca. 1000m und auf halber Strecke kommt noch eine Kreuzung. - Die hat aber seit diesem Jahr wenigstens Fußgängerampeln.

Als ich heute abend nach Hause kam, war unser großer Sonnenschirm umgefallen! Zum Glück nicht in die Richtung von Schnattis Nest, sondern genau entgegengesetzt. Schnatti kann ihn nicht umgeworfen haben, sondern nur eine starke Windböe, denn der Sonnenschirmständer ist aus Beton und wiegt bestimmt 20kg. Ich habe den Schirm wieder aufgerichtet und bin jetzt etwas unentschieden, ob ich ihn stehen lasse, damit Schnatti nicht naß wird und sie gleichzeitig der erneuten Gefahr eines umstürzenden Sonnenschirmes aussetze!

Meine gestrige Annahme, dass ein Problem mit Wasser hat, hat sich heute morgen in Ansätzen bestätigt. - Es hat wiedermal geregnet und ab und zu ist ein großer Wassertropfen vom Sonnenschirm auf Schnattis Gefieder getropft. - Im heutigen Film ist sehr gut zu sehen, wie sie sich dadurch beim Ordnen ihres Nestes gestört fühlt und jedesmal etwas entnervt ihren Kopf schüttelt.

Schnatti

Film: Schnatti und der Regen

 

Samstag, 20. Mai, 20.Tag

Heute war ein sehr ungemütlicher Tag, auch für Schnatti. Es hat gestürmt und geregnet und am Vormittag habe ich vorsorglich den Sonnenschirm abgebaut, damit er nicht nochmal umfällt. Schnatti mußte deshalb den ganzen Nachmittag im Regen sitzen, aber mit einem Regendach konnte sie auch nicht wirklich rechnen, als sie bei uns eingezogen ist. - Als ich sie dann heimlich ab und zu am Tag per Kamera beobachtet habe, bin ich auch dahintergekommen, warum sie immer das Wasser von ihrem Kopf abschüttelt. - Um sich vor Wasser und Kälte zu schützen, fetten Enten ihre Federn ein. Das Fett entnehmen sie mit ihrem Schnabel aus der Bürzeldrüse, die sich am Schwanzansatz befindet. - Leider hat Schnatti keine Möglichkeit, die Federn an ihrem Kopf einzufetten. Also bleibt ihr weiter nichts übrig, als das Wasser abzuschütteln. - Schnatti ist also nicht wasserscheu! - Ohne eingefettetes Gefieder könnten Enten nicht schwimmen und würden auf dem Wasser sogar untergehen.

Außerdem habe ich heute auch rausgefunden, warum Stockenten so heißen. Stockenten brüten gern auf zurückgeschnittenen Weidenbäumen, die man auch 'Stock' nennt. Deshalb der Name Stockente. - Das Internet weiß alles!

Film: Schnatti im Regen